Aktuell

Sensorik sorgt für mehr Effizienz und größeres Wohlbefinden im Büro

Dr. Roman Wagner: „Digitalisierung wird Büroplanung revolutionieren“

„Die Digitalisierung wird die Planung von Büroräumen und das Facility Management in den kommenden Jahren revolutionieren“, sagt Dr. Roman Wagner voraus. Der Inhaber des Immobilienberatungsunternehmens Dr. Wagner & Partner greift für seine Aussage auf weit mehr als allgemeine Branchentrends zurück. Das bundesweit tätige Unternehmen war 2016 die erste Beratungsgesellschaft, die in Deutschland zusammen mit dem finnischen Technologiepartner 720 Degrees eine umfassende Lösung zur Überwachung der Luft- und Raumqualitäten auf Basis von Sensorik umgesetzt hat.

„In Deutschland war bis dato kein vergleichbares System am Markt vorhanden. Deshalb haben wir die Technologie und vor allem das Reportingtool im Ausland eingekauft“, erläutert Dr. Wagner. Projektpartner und Vorreiter war das Unternehmen INEOS Styrolution, weltweit führender Anbieter von Styrol-Kunststoffen. „Ausgangspunkt war die große Unzufriedenheit der Mitarbeiter in der neuen Frankfurter Firmenzentrale mit der Raumluftqualität. Sie erreichte nicht die im Mietvertrag zugesagten Werte“, sagt Projektleiter Jens Schneider, Partner bei Dr. Wagner & Partner.

Kurz nach Umzug von INEOS Styrolution im Jahr 2016, stieg die Unzufriedenheit sowohl der Mitarbeiter als auch des Facility Managements deutlich. Die Anlagentechnik im revitalisierten Objekt 50Avon, in dem die Firmenzentrale eingemietet ist, erwies sich als störanfällig. Die Raumluftgüte, das bedeutet, die Kohlendioxid-Werte, die subjektiv darüber bestimmen ob Luft als verbraucht wahrgenommen wird, lag nicht im Komfortbereich. Die Bestandsdokumentation war unzureichend. „Auf dieser Basis ließen sich keine Komfortzonen für die Raumluftgüte bereitstellen“, so Schneider.

Nie mehr verbrauchte Luft im Büro

Deswegen riet Dr. Wagner & Partner dazu, flächendeckend Sensoren zu installieren, um die Raumluftparameter rund um die Uhr zu überwachen und zu dokumentieren. „Damit lagen alle Fakten auf dem Tisch, um vom Vermieter Nachbesserungen zu verlangen und vor allem, um die Verbesserungen gegenüber den Mitarbeitern zu belegen“, erklärt Schneider. Befragungen definierter Mitarbeitergruppen vor und nach Einführung der Sensorik haben ein um 22 Prozent verbessertes Wohlbefinden ergeben. Auch die Konzentrationsmöglichkeit und die Kommunikation untereinander bewerten die Angestellten signifikant besser, „eindeutig ein Erfolg der Intelligenz von Raum und Technik“, sagt Jens Schneider.

Mittels Sensoren werden bei INEOS Styrolution die Belegung der Räume und die Qualität der Raumluft nahtlos überwacht. Kühlung und Lüftung reagieren unmittelbar, wenn die Qualität vom voreingestellten Soll abweicht. Gemessen und nachjustiert werden Parameter wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit, der Kohlendioxid- und der Feinstaubgehalt. „Die Mitarbeiter sehen über ein Dashboard im Intranet ständig, ob die Klimaparameter passen. Das trägt wesentlich zum subjektiven Wohlbefinden bei“, so Schneider.

Mehr Effizienz bei Energie und Bewirtschaftung

Über das reine Wohlbefinden hinaus leisten heute sensorgestützte Bewirtschaftungskonzepte einen großen Beitrag zur effizienten Gebäudesteuerung. Wird ein Besprechungsraum nicht genutzt, reicht es zum Beispiel, die Luft einmal pro Stunde auszutauschen statt sechsmal. Die Temperatur kann automatisch abgesenkt, das Licht gedimmt oder ausgeschaltet werden. Das spart Energie. Reinigungskräfte lassen sich flexibel einsetzen, je nachdem, ob bestimmte Bereiche des Gebäudes mehr oder weniger intensiv genutzt werden.

Auch die optimierte Nutzung von Arbeitsplätzen und Bürofläche unterstützen sensorgesteuerte Systeme. „Immer seltener sind alle Mitarbeiter im Büro“, weiß Dr. Wagner. Belegungssensoren schaffen daher einen Überblick, welche Arbeitsplätze wie oft genutzt werden. Entscheidet sich ein Unternehmen auf dieser Basis für ein agiles Bürokonzept, dann können alle Mitarbeiter zum Beispiel in einer App sehen, wer gerade anwesend ist und an welchem Schreibtisch die Person gerade arbeitet – das verbessert die Kommunikation und Erreichbarkeit.

„Unser Ansatz heißt ‚Value for Workplaces‘ – wir statten unsere Projekte mittlerweile immer mit Sensorik aus. Es geht dabei nicht um die Überwachung der Mitarbeiter, sondern um die Bewertung und das Wohlbefinden der Nutzer“ betont Dr. Wagner. In Deutschland noch wenig bekannte Büromöbelhersteller wie Actiu aus Spanien oder Vepa aus den Niederlanden haben den Bedarf erkannt und bieten Büromöbel an, bei denen die Sensorik bereits nahtlos integriert ist. „Wir überlegen, zusammen mit Vepa einen Showfläche in Frankfurt aufzubauen, auf der unsere Kunden agile Arbeitsweisen testen und die vielen Arbeitsmöglichkeiten in Ruhe erleben und bewerten können“, so Dr. Wagner. Die Kooperationspartner arbeiten aktuell an der Konzeption.

Weitere Informationen


www.wagnerpartner.com  
www.vepa.nl