Schlaganfall-Initiative

Großes Interesse an Schlagafall-Vorbeugung

„Kein Blitz aus heiterem Himmel“ / Rund 130 Besucher folgten der Infoveranstaltung zum Welt-Schlaganfalltag 2016

Die Lebensgeschichte von Martina Fraas ist beeindruckend: Ihren Vortrag betitelt sie „Mut zur Lücke. Warum ich das Ganze als Herausforderung sehe – meine Erfahrungen mit dem Schlaganfall“, sie beschreibt darin ihren Weg vom Schlaganfall-Ereignis mit 20 Jahren bis zum heutigen Tag – als 26jährige Studentin der Psychologie und wieder „zurück im Leben“. Die rund 120 Gäste hören fasziniert zu. Sie sind der Einladung der Schlaganfall-Initiative Regensburg zur Vortragsveranstaltung anlässlich des Weltschlaganfalltags 2016 gefolgt, um sich über Risiken, Behandlungsmethoden und vor allem die Vorsorge zu informieren.

„Der Vortrag beinhaltet alles, was wir der Öffentlichkeit vermitteln wollen.“ Prof. Dr. Ulrich Bogdahn und Prof. Dr. Hendrik Pels, die Vorsitzenden der Schlaganfall-Initiative,  kennen viele Fälle, bei denen junge Menschen von einem Tag auf den anderen ein neues Leben beginnen müssen. Gesund, sportlich, wie Martina Fraas, ohne Vorwarnung. Dann die Erkenntnis, halbseitig gelähmt zu sein, nicht mehr sprechen zu können und die Aussicht, den Rest des Lebens auf andere Menschen angewiesen zu sein. Martina Fraas hat die Herausforderung angenommen, sich durch hartes Training in ein normales Leben zurückgekämpft und macht als Inklusionsbotschafterin der Aktion Mensch und der Interessensvertretung „Selbstbestimmtes Leben in Deutschland“ vielen Menschen Mut, ihrem Beispiel zu folgen.

„Die Chancen, nach einem Schlaganfall-Ereignis in sein altes Leben zurückzufinden, sind enorm gestiegen“, gibt Dr. Roland Backhaus Hoffnung. „In Regensburg haben wir mit zwei Stroke Units, speziellen Abteilungen für Schlaganfall-Patienten, im Krankenhaus Barmherzige Brüder und der Neurologischen Universitätsklinik beste Voraussetzungen, um schnell und zielgerichtet behandelt zu werden“, betont Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer bei der Begrüßung. Dr. Backhaus kann es bestätigen, er selbst ist Oberarzt in der  Stroke Unit der Neurologischen Universitätsklinik, wo nach einer präzisen Diagnose die Entscheidung für eine interventionelle Therapie fällt, die sehr häufig die Folgen eines Schlaganfalls erheblich mildert oder vielleicht sogar ganz aufhebt. „Wichtig ist, die Symptome zu kennen und sofort den Rettungsdienst über 112 zu rufen.“ Je schneller ein Patient behandelt wird, umso günstiger ist die Prognose für den weiteren Verlauf, so Dr. Backhaus. „Time is Brain“ – Wissen um den Schlaganfall ist Zeit-Vorsprung!

In welch hohem Maß das Schlaganfall-Risiko verringert werden kann, belegt Prof. Dr. Hendrik Pels an einigen Beispielen. „Wer heute mit dem Rauchen aufhört, hat nach einem Jahr bereits ein 40-prozentig geringeres Risiko.“ Regelmäßig sportliche Betätigung, und sei es nur ein längerer Spaziergang, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks bei Hypertonikern sind Maßnahmen, „die jeder selbst steuern kann“. Die Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, mediterran-leicht sollte sie sein, „wobei niemand auf Genuss verzichten muss. So werden der Schokolade, dem Kaffee und Tee, ja sogar dem Gläschen Wein oder Bier Schlaganfall-vorbeugende Wirkungen zugeschrieben. Selbstverständlich gilt das nur für den maßvollen Genuss“.

All die Hinweise laufen bei einer Gruppe ins Leere, bei der man am wenigsten ein Schlaganfall-Risiko vermuten würde. „Schlaganfallereignisse bei Kindern – vom Säugling bis zum Gymnasiasten – sind in den letzten Jahren gestiegen.“ Rund 300 Ereignisse im Jahr. Prof. Dr. Felix Schlachetzki nennt bessere Diagnosemöglichkeiten als eine Ursache für den zu beobachtenden Anstieg der Fälle,  weist aber auch darauf hin, dass viele Symptome bei Kindern nur schwer zu deuten sind und deshalb die Dunkelziffer wahrscheinlich noch deutlich höher ist – zumal die funktionellen Heilungschancen bei Kindern bedeutend größer sind. „Anzeichen für einen Schlaganfall können Lähmungen, Schwäche oder Sehstörungen wie Doppelbilder oder verschwommene Sicht sein. Auch starke Kopfschmerzen, eventuell mit Erbrechen, eine undeutliche Sprache oder Schluckbeschwerden sind Warnsignale.“

Schlaganfall kommt in vielen Fällen wie ein Blitz aus heiterem Himmel, manche Risikofaktoren wie Alter oder genetische Veranlagung lassen sich nicht beeinflussen. Jeder einzelne hat aber genug Möglichkeiten, sein persönliches Risiko-Profil deutlich  zu mindern. Kommt es doch zu einem Ereignis, ist das Erkennen der Schlaganfall-Symptome und wirklich schnellstes Handeln gefragt. Dabei sind im Akutfall die Schmerzfreiheit des Schlaganfalls und das Verdrängen (Agnosie) der Lebens-Bedrohlichkeit die größten Hindernisse  für eine schnelle Hilfe –  also lieber einmal umsonst in die Stroke – Unit! Die Schlaganfall-Initiative Regensburg gibt dazu in Vorträgen und ständig unter www.schlaganfallinitiative-regensburg.de wertvolle Tipps.