Forum Kreativwirtschaft

Gemeinsam für mehr Wertschätzung der bayerischen Kunst und Kultur

22 bayerische Kulturverbände legen Grundstein für eine ständige Zusammenarbeit / Ansprechpartner auf Augenhöhe für die Staatsregierung

Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, dass in Bayern bislang eine ständige, spartenübergreifende Vertretung der Freien Kunst- und Kultur-Szene fehlt. Veranstaltet vom Bayerischen Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft (BLVKK) haben 22 Vereine und Verbände bei einem Symposium jetzt den Grundstein dafür gelegt, diese Lücke zu schließen. „Es wird Zeit, dass die freie Kunst- und Kulturszene der Staatsregierung auf Augenhöhe gegenübertritt“, sagte BLVKK-Präsidentin Carola Kupfer beim Verbandstag am Freitagabend (9. Juli) in München.

Beim Symposium Ende Juni in München hatten sich die Vertreterinnen und Vertreter der Verbände auf eine ganze Reihe von Thesen und Forderungen verständigt. Wichtig war den Beteiligten vor allem, sich so zu organisieren, dass ihre Belange in der Staatsregierung zuverlässig gehört werden. Die freie Kunst- und Kultur-Szene will sich mit den zuständigen Ministerien und Parlamentariern künftig regelmäßig austauschen und gemeinsam eine Kulturagenda für Bayern erarbeiten.

Mit Blick auf seine Erfahrungen bei der Gründung eines Bayerischen Kulturrats in den späten 1990er Jahren riet Haimo Liebich, Vorsitzender der Landesvereinigung Kulturelle Bildung Bayern e.V., dazu, sich in einem flexiblen Netzwerk beispielsweise als ständige Konferenz zu organisieren. „Ein Konferenzformat ermöglicht horizontalen Austausch, der eben nicht hierarchisch ist. Ein partnerschaftliches Netzwerk, das mehr aktions- denn anwendungsorientiert ist, scheint der richtige Ansatz“, so Liebich.

Sehr konkret wurden die Forderungen auf dem Symposium an die Art der Zusammenarbeit mit der Staatsregierung. Die Verbände weisen darauf hin, dass die Zuständigkeiten für die freie Kunst- und Kulturszene über insgesamt fünf Ministerien und die Staatskanzlei verteilt sind. Sie wünschen sich aber klar definierte Zuständigkeiten und Ansprechpartner sowie einen zielführenden Austausch zwischen den Ressorts für Kunst, Kultus, Wirtschaft, Digitales und Arbeit sowie der Staatskanzlei.

Eine Reihe von Forderungen stellte das Symposium zur wirtschaftlichen Absicherung und zur Förderung der freien Szene auf. „Der Freien Kunst- und Kulturszene in Bayern fehlt eine langfristige Förderperspektive. Viele hangeln sich von Projektförderung zu Projektförderung. Strukturelle Defizite lassen sich so nicht beseitigen“, fasste Katrin Neoral, Head of Creative Culture des BLVKK, die Herausforderungen zusammen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten fest, dass die Freie Kunst- und Kulturszene von der Corona-Krise besonders massiv betroffen sei und deshalb in den nächsten Jahren durch gezielte Etaterhöhungen im Haushalt des Freistaats gestützt werden müsse. In jedem Fall seien Sie wie andere gesellschaftlich wichtige Bereiche von den angekündigten Sparmaßnahmen auszunehmen. „Wenn wir als Gesellschaft und die Politik die Freie Szene nicht stärker unterstützen und zu einer Selbstverständlichkeit in unserem Bewusstsein machen, dann stirbt ein wichtiger Teil und Motor unserer Kulturlandschaft“, mahnte Matthias Gibson von der Initiative Backstageheroes.help, in dem sich Soloselbstständige während Corona zusammengeschlossen haben.

„Künstlerisches und kreatives Schaffen ist Arbeit“, betonte BLVKK-Präsidentin Kupfer. Förderprogramme und Aufträge von öffentlicher Hand oder mit Unterstützung öffentlicher Mittel müssten deshalb die künstlerische Leistung angemessen honorieren. Die Corona-Pandemie habe außerdem noch einmal deutlich gezeigt, dass Soloselbstständige eine bessere soziale Absicherung benötigen. „Soloselbstständige wurden vor Corona als Randphänomen wahrgenommen und sind häufig unzureichend auf Arbeitslosigkeit, Alter und Krankheit vorbereitet. Dafür braucht es neue Strukturen“, fasste Kupfer eine weitere Forderung des Symposiums zusammen.

Magnus Dauner, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Jazzverbands e.V., weitete den Blick auf eine gesamtgesellschaftliche Perspektive. „Wir sollten nicht nur in die Künstler und Kulturschaffenden investieren, sondern umso mehr in die Ausbildung unseres Publikums“, sagte Dauner. „Es ist unsere Aufgabe den Kindern und Jugendlichen den Zugang und den Umgang mit Kunst als Privileg unserer freien Gesellschaft nahe zu bringen." Genauso wie im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich brauche es schon in der Schule eine Förderung des künstlerischen und kulturellen Interesses.

Insgesamt sieht das Symposium Kunst und Kultur als zukunftsfähige und Resilienz fördernde Standortfaktoren, die für eine Win-Win-Situation mit klassischen Wirtschaftszweigen sorgen. „Gerade auch der ländliche Raum kann über gezielte Unterstützung von Kunst und Kultur seine Attraktivität für Fachkräfte steigern“, betonte Philipp Ernst, Vizepräsident des BLVKK.

Nachdem die Positionen formuliert sind, wollen die Verbände über den Sommer die Art ihrer Zusammenarbeit strukturieren. Die Initiative ist dabei offen für weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter.


www.blvkk.de