Asklepios

„Cortison": die Feuerwehr bei Rheuma

Vortrag von Prof. Martin Fleck am Regensburger Uniklinikum

Die meisten Rheumapatienten müssen keine Angst mehr vor langwierigen Cortisonbehandlungen mit schweren Nebenwirkungen haben. „Wir setzen Cortison in den meisten Fällen nur noch als „Feuerwehr" bei akuten Situationen ein. Für die Langzeittherapie haben wir inzwischen andere Medikamente, die gezielter und mit weniger unangenehmen Begleiterscheinungen wirken“, erklärte Prof. Dr. Martin Fleck, Leiter des Bereichs Rheumatologie am Uniklinikum Regensburg und Chefarzt für Rheumatologie am Asklepios Klinikum Bad Abbach beim Gesundheitsforum des Regensburger Uniklinikums. Er ging dabei der Frage nach: „Rheuma – hilft nur Cortison?“.

Das Medikament werde vor allem am Anfang bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt, da es bei akuten Beschwerden rasch und sehr gut wirke. Bei rheumatischen Erkrankungen greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Zellen an, das Immunsystem ist quasi zu aktiv. Cortison hemmt die überschießenden Funktionen des Immunsystems und wirkt deshalb so schnell. Laut Prof. Fleck setzt man für die langfristige medikamentöse Therapie der rheumatoiden Arthritis neben nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen oder Diclofenac, sogenannte Basistherapeutika und Biologika ein. „Basistherapeutika haben eine ähnliche Wirkungsweise wie Cortison – unterdrücken also auch das Immunsystem – aber zeigen langfristig weniger Nebenwirkungen“, berichtet der Rheumatologe. Mit diesen Präparaten alleine kann die Behandlung nur nicht gleich begonnen werden, da es einige Zeit dauert, bis sie wirken. Bei rund zwei Drittel der Patienten führen sie zu einem vollständigen, mindestens aber einem teilweisen Krankheitsstopp. Beim restlichen Drittel der Patienten greifen die Mediziner seit rund zehn Jahren auf sogenannte Biologika zurück. „Hier hat sich zum Glück einiges getan“, so Prof. Fleck. „Diese biotechnologisch hergestellten Medikamente mildern nicht nur die Symptome von Rheuma, sie wirken zielgerichteter, greifen direkt in den Entzündungsprozess ein und blockieren ihn.“ Weitere Vorteile sind eine teilweise bessere Verträglichkeit sowie eine bessere Wirksamkeit.

Darüber hinaus erläuterte der Chefarzt, dass die Physiotherapie und die Schulung des Patienten wichtige Bestandteile bei der Behandlung von Rheuma seien, die „leicht vergessen oder von vielen Patienten unterschätzt werden.“

Trotz der großen Auswahl an Substanzen und Therapiemöglichkeiten gebe es keine Standardempfehlung, welches Medikament bei Rheuma am besten sei: „Dazu verbergen sich hinter dem Fachbegriff Rheuma einfach zu viele, nämlich bis zu 400 verschiedene, Krankheiten.“

Daher sei eine saubere Diagnose der wichtigste Schritt, um die Therapie der Krankheit optimal für den einzelnen Patienten anzupassen. Und je früher die Krankheit erkannt wird, umso besser. „Denn nur so lassen sich Folgeschäden vermeiden.“

 

Prof. Dr. Martin Fleck leitet den Bereich Rheumatologie am Uniklinikum Regensburg und ist Chefarzt der Klinik und Poliklinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie am Asklepios Klinikum Bad Abbach, der Kooperationsklinik des Uniklinikums Regensburg.